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Diplomat des westafrikanischen Staates bei der EU

São Tomé e Príncipe: Stephan Welk lockt nach Kakao-Multis auch Infrastrukturfonds

Montag, 07 November 2016 20:34 geschrieben von  Patricia Münkler
Dr. Stephan Welk möchte für São Tomé e Príncipe begeistern - Kakao-Multi Barry Callebaut könnte mit von der Partie sein. Dr. Stephan Welk möchte für São Tomé e Príncipe begeistern - Kakao-Multi Barry Callebaut könnte mit von der Partie sein. Quelle: POPULAREN

São Tomé - Eine diplomatische Aufgabe ist immer eine Herausforderung. Für Dr. Stephan Welk, geboren im nordhessischen Korbach, kam die außenpolitische Bühne aber wie eine zärtliche Liebeserklärung daher. Der malerische westafrikanische Inselstaat São Tomé e Príncipe verpflichtete den bis dahin eher mit ökonomischen Fragen vertrauten Wirtschaftsjuristen als Sonderbotschafter bei der Europäischen Union. In Brüssel akkreditiert, soll Stephan Welk ein gutes Bild vom friedlichen Paradies zeichnen. Und das gelingt ihm auch.

São Tomé e Príncipe war den meisten europäischen Politikern kaum bekannt. Wirklich aufgefallen ist "der friedlichste Staat Afrikas", wie Welk gegenüber POPULAREN unterstreicht, allenfalls als Produzent erstklassigen Kakaos. Persönliche Kontakte zum Top-Management des schweizerischen Schokoladen-Multis Barry Callebaut sollen die Exklusivität des Kakaos von den tropischen Inseln im Golf von Guinea nochmal unterstreichen. Aber Kakao allein kann nicht die Zukunft sein.

Stephan Welk weiß auch um andere, noch ungehobene Schätze auf São Tomé e Príncipe. Tourismus könnte ein wirtschaftlicher Zauber sein. São Tomé und auch Príncipe liegen nur eine kurze Flugzeit von den Urlaubsküsten der spanischen Kanaren entfernt. Das Wetter ist noch milder. Und São Tomé e Príncipe haben portugiesische Wurzeln. So ist es seit langem Plan der Regierung des westafrikanischen Inselstaates sich über den Tourismus aus Europa neue Einnahmequellen zu erschließen.

Dazu muss aber zuerst die Infrastruktur ausgebaut werden. Es fehlt an einem leistungsfähigen Flughafen und auch das Hotelangebot dient bislang mehr der Beherbergung der anreisenden Kakaohändler.

Doch Stephan Welk ist dran. Mit internationalen Infrastrukturfonds wie der durch die Weltbank flankierten DF Deutsche Finance Group aus München oder auch den Milliarden schweren Investoren Wu Yajun (China) und Mark Zuckerberg (USA) sucht Welk den langfristigen wirtschaftlichen Aufbau.

"Tatsächlich", so sagt Welk, "wäre São Tomé e Príncipe das beste Geschäft, das sich Investoren vorstellen können. Während äußerst fragile Staaten auf der arabischen Halbinsel geradezu eine Schwemme an Milliardeninvestitionen für sich verbuchen konnten, blieb das paradiesisch friedliche São Tomé e Príncipe bislang von den internationalen Entwicklungsfonds unbeachtet. Dabei sagen Diplomaten hinter vorgehaltener Hand, dass São Tomé e Príncipe sicher noch existieren dürfte, wenn ein zu erwartender immer rasantere Umbruch im arabischen Raum die meisten Feudalstaaten dort längst weggefegt haben dürfte. Investitionen auf São Tomé e Príncipe wären "nicht auf Sand gebaut", wie es Stephan Welk mit diplomatischer Vorsicht umschreibt.

Entwickelt sich São Tomé e Príncipe nun tatsächlich vom exklusiven Kakaoproduzenten zum Touristenziel für im Winter verfrorene Europäer? Dr. Stephan Welk versucht diese Vision umzusetzen. São Tomé e Príncipe sei eine wahre Liebe für ihn geworden.

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