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Auf dem Weg in die Plutokratie

Die Krise der Mittelschicht in der westlichen Welt

Donnerstag, 01 Dezember 2016 00:04 geschrieben von 

München - Wir befinden uns an einem Scheideweg. Viele Bürger empfinden Frust über das politische und wirtschaftliche System und haben den Eindruck und das Gefühl, nicht mehr an der Gesellschaft teilzuhaben. Das kapitalistische marktwirtschaftliche System bestimmt unser Leben und führt im Rahmen der Globalisierung, des technischen Fortschritts und der unkontrollierten Deregulierung der Märkte zu wachsender Ungleichheit der Einkommens– und Vermögensverhältnisse.

Mit der Instabilität des Kapitalismus beschäftigten sich auch vom Kapitalismus überzeugte Starökonomen wie u.a. Hyman P. Minsky. Aber eine Erklärung für immer wieder auftretende Crashs blieb bisher aus. Die weltweite Finanzkrise 2008 war ja nach Aussage der Ökonomen nicht vorhersehbar.

Möglicherweise mag die wachsende Ungleichheit der Einkommens– und Vermögensverhältnisse eine Ursache dieser Instabilität sein. Erkennbar ist jedenfalls, dass die wachsende Ungleichheit der Einkommens– und Vermögensverhältnisse zu einer „Herrschaft des Geldes“ führt und das derzeitige politische System sich diesem „Herrschaftssystem“ unterordnet. So stellte der Starökonomen Branko Milanović fest, dass die Mittelschicht in den westlichen Industrieländern bei wachsender Ungleichheit der Einkommens– und Vermögensverhältnisse immer mehr ausblutet.

Der “Niedergang dieser Mittelschicht geht einher mit dem Aufstieg“ eines Donald Trump, einer Marine Le Pen oder der AfD in Deutschland, so Branko Milanović in einem Interview „Auf dem Weg in die Plutokratie“.

Nun ist die Weisheit „Geld regiert die Welt“ nichts Neues. Aber diese Weisheit beinhaltet nicht die Aussage, dass das Geld auch die politische Herrschaft übernommen hat. Denn Die Demokratie schenkt dem Bürger den Glauben daran, dass er politisch gleichberechtigt mitbestimmen und mitgestalten kann. Allerdings bezweifelt u.a. nicht nur Colin Crouch mit dem Begriff der „Postdemokratie“ die politische Teilhabe in dem jetzigen demokratischen System. Politische Entscheidungen werden im Hinterzimmer von Wirtschaft und Establishment getroffen.

Das bestehende politische Parteiensystem in Deutschland befördert dieses „demokratische Verhalten“. Nur wenige Parteimitglieder bestimmen in den Aufstellungsversammlungen über die Kandidaten für politische Mandate. Wer letztlich in den Bundestag oder einen Landtag einzieht, hängt von den Parteigranden ab.

Ein schönes Beispiel bietet auch die AfD in NRW mit der Aufstellung der Landtagskandidaten. Es geht um Geld, um Karriere und um Posten. Politik ist Nebensache. Da werden über eine Whatsapp-Gruppe Wahlen manipuliert, getrickst und offensichtlich Stimmzettel vernichtet, um die „richtigen„ Mitglieder in den Landtag zu befördern.

Die AfD scheint bereits bei den etablierten Parteien angekommen zu sein. Die Chance etwas Neues hervorzubringen, auf das wirtschaftliche und politische Versagen vielleicht eine Antwort zu finden, wird hemmungslos durch Egomanie einzelner Mitglieder verspielt. Die AfD zeigt sich, ebenso wie die „Altparteien“, ein postdemokratisches Auslaufmodell zu sein.

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Josef Mühlbauer

Dipl. Kfm. Josef Mühlbauer, München

Vita: Nach dem Abitur folgte ein Studium der Wirtschaftswissenschaft und der Rechtswissenschaft  an der Uni München. Mit dem Abschluss Diplom Kaufmann und in Jura dem ersten und zweiten Staatsexamen mit Referendars-Ausbildung hat er seine Universitätszeit abgeschlossen. Danach war Josef Mühlbauer als Vorstandsassistent und dann Leiter Recht und Finanzen in einer großen Aktiengesellschaft tätig.

Dem folgte eine Zeit als freiberuflicher Rechtsanwalt und freier Unternehmensberater in einer Beratungsfirma. Später war Josef Mühlbauer für größere Firmen zuständig.

Zuletzt engagierte er sich im gemeinnützigen Bereich im Rahmen politischer Bildung und gilt als ausgewiesener Spezialist insbesondere für Parteienforschung und Parteienfinanzierung.

Webseite: www.popularen.de